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Der Klang des Einhorns:
Ein Joker im Sprachspiel

Lona Gaikis

Essaybeitrag in der Publikation „Der Einhorn-Code. Markt und Mythos – Das Fabelwesen als Popstar“ (Arbeitstitel), Hg. Heinrich Dubel, Berlin

In jüngster Zeit tritt das Einhorn in Glitter und Regenbogenfarben, optional auch beflügelt, auffällig of in Supermarktregalen, Spielzeugabteilungen sowie als Icon der LGBT, der Gender- und Queer Community, zum Vorschein. Überraschend, dass die brillantesten Geister und Denker der Sprachlogik im 20. Jahrhundert und der Aufklärung ebenfalls immer wieder mit der Existenz von Einhorn, Kobolden, Zentauren sowie der Sondergattung des Seeeinhorns – das einzig „Existente“ in der Aufzählung – beschäftigt waren (Kripke, Goodman, Carnap, Wittgenstein, Lewis, Kant). Ihnen diente die Figur als logischer Kontrapunkt zu grundlegenden semantischen Fragestellungen und den Grenzen des Wahrheitsbegriffs.

Im Disput über Faktizität, Vorstellungen, Spekulation und Zweifel, was a priori gelten gelassen werden kann und was a posteriori in den Bereich der Erfahrungen wandern sollte – so die Kritik der analytischen Philosophie der Post-Aufklärung – rückte das Sprach-Bild des Einhorns wieder in den Blickpunkt, verbildlicht es doch die Fiktion in der logischen Analyse von Sprache.

Welchen Wert hat es nun, sich der Frage des Klangs dieses künstlichen Mischwesens zu stellen? Gibt es einen Sinn im Unmöglichen und – wenn ja – verläuft die Grenze dieser Wahrheit nicht womöglich bis in die feinsten Verästelungen körperlicher Empfindungen? Wenn das „realere“ an der Realität nicht Abbildbar ist, können wir es womöglich hören?